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Benachrichtigungstext

Die zwei Formen des trockenen Auges:

1. Zu wenig Tränen (Hypovolämische Form): Aufgrund zu geringer Tränenbildung kommt es meist zu Rötung, Fremdkörpergefühl, müden Augen und Blendempfindlichkeit (Photophopie) Sie ist die weniger häufige Form.

2. Lipidmangelstörung (Hyperevaporative Form): Aufgrund zu geringen Fettanteils in den Tränen in Folge einer Funktionsstörung von Lidranddrüsen (Meibomdrüsendysfunktion) verdunsten diese sehr schnell und die Lidränder werden wund, es bildet sich ein schaumiger Tränenfilm, die Augen brennen und bei Rauch und Wind kommt es zu starker Tränenbildung. Auf Dauer kann es auch zu einer Lidrandentzündung kommen. Kontaktlinsen werden schlechter oder gar nicht mehr vertragen.

Woher kommt die Zunahme in den letzten Jahren eigentlich?

In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Lebensweise gewandelt. Wir halten uns zu lange in überheizten “knochentrockenen” Räumen - deren Luft zusätzlich durch Klimaanlagen und Zigarettenrauch verändert ist - auf. Es werden mehr Kontaktlinsen getragen. Wir nehmen mehr Medikamente, die Begleitwirkungen auf den Tränenfilm haben. Die Bildschirmarbeitsplätze und die damit verbundenen Beschwerden (Office-Eye-Syndrome) z.B. auch durch reduziertes Blinzeln nehmen immer mehr zu und die genaue Wirkung der vielen in der Luft enthaltenen Schadstoffe ist noch gar nicht genau bekannt. Während im Fall der zu geringen Tränenproduktion die Tropfengabe den ersten Schritt darstellt, muß bei der zweiten Form mit zu geringem Fettanteil im Tränenfilm auch die regelmäßige Lidrandreinigung und die Anwendung von heißen Kompressen mit anschließender Massage erfolgen, um die Fehlfunktion der talgbildenden Drüsen am Lidrand zu verbessern. Neuerdings wird auch versucht die verstopften Drüsengänge der Talgdrüsen an der Lidkante mit einer kleinen Nadel wieder frei zu “putzen”. Dies ist allerdings schmerzhaft und Studien zum Erfolg laufen noch. Zusätzlich werden bei dieser Form des trockenen Auges - man spricht auch von einer Meibomdrüsendysfunktion - Substanzen gegeben, die den Fettanteil des Tränenfilms verbessern.

Da die Entzündung der Oberfläche die Basis der Beschwerden ist, helfen in ansonsten nicht lösbaren Fällen, die vorübergebende Gabe von entzündungshemmenden Augentropfen (Kortison, Zytostatika). Die Zytostatikatropfen (Cyclosporin) wirken aber erst nach 4-6 Wochen, sind schwer erhältlich und brennen sehr stark. Milder ist zunächst ein Versuch mit in der Apotheke frei erhältlichen antiallergischen Tropfen. Letzteres vor allem, wenn zusätzlich eine allergische Reaktion vorliegt. Trockenes Auge und allergische Bindehautentzündungen treten häufig zusammen auf. Sehr bewährt bei schwierigen Fällen haben sich auch Tropfen, die aus dem eigenen Blut (Serumaugentropfen ) gewonnen werden. Sie werden aus rechtlichen Gründen leider nur von Universitätskliniken hergestellt und bedeuten in der Regel auch einen stationären Aufenthalt.

Empfohlen wird bei mittelstarken Formen auch die Gabe von Vitamintabletten unter anderem mit Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren. Bereits nach 30 Tagen täglicher Gabe treten in der Regel Beschwerdebesserungen auf. Diese Fettsäuren finden sich fast ausschließlich in fetten Kaltwasserfischen. Diese werden selten 1-2x die Woche verzehrt, so daß hier leicht ein Mangel vorliegen kann. Interessanterweise tritt auch nach der Gabe von Aspirintabletten eine Besserung ein. Da kommt wohl ihre entzündungshemmende Wirkung zum Tragen. Dies sollte allerdings kein Grund sein, sie nur wegen eines trockenen Auges zu nehmen. Hier würde der Nachteil der möglichen Nebenwirkungen überwiegen. Als wirksam haben sich bei Frauen nach den Wechseljahren (Menopause) auch Tabletten mit pflanzlichen Östrogenen (weiblichen Geschlechtshormone), sogenannten Phytoöstrogenen erwiesen. Hintergrund ist, daß in der Bindehaut, der Hornhautoberfläche und in bestimmten Tränendrüsen “Andockstellen” (Rezeptoren) für Geschlechtshormone sitzen und so die Qualität des Tränenfilms gesteuert wird.

In besonderen Fällen, die durch die herkömmlichen Medikamente nicht beeinflußt werden können, werden Veränderungen an den Tränenwegen in Form von Erweiterungen (Dehnung, Spülung, Operation) oder Verengungen (Punctum Plugs nur sinnvoll bei echtem Tränenmangel bei Sjögren-Syndrom, nicht bei Lipidmanglstörung!) vorgenommen. Äußere Ursachen wie Lidfehlstellungen sollten wenn möglich beseitigt werden.

Wie sind die Aussichten?

Da das Grundproblem meist leider keine akute Erkrankung, sondern eine Neigung - wie die zu trockener Haut - ist, muß man von einem mehr oder weniger chronischem Verlauf ausgehen. Hin und wieder oder aber auch dauernd werden Tropfen gegeben werden müssen. Sind systemische Medikamente (z.B. Betablocker) oder bestimmte Umweltbedingungen (Klimaanlagen, lange Monitorarbeit, Fußbodenheizung, Heizungsgebläse und dergl.) die Ursache, kann hier manchmal Abhilfe geschaffen werden. Da manche Grunderkrankungen nicht komplett heilbar sind (bei bestimmten Rheumaformen haben fast alle Betroffenen trockene Augen), bleibt in diesen Fällen nur die örtliche Therapie des trockenen Auges. Auch nach Operationen an der Hornhaut (z.B. Laser) oder der Bindehaut kann ein trockenes Auge auftreten. In den meisten Fällen bessert es sich aber wieder mit der Zeit. Manchmal kann sich aber auch ein vorher schon trockenes Auge das aber noch relativ unauffällig war nach einer Operation (z.B die des Grauen Stars oder eine Operation am Glaskörper erst richtig bemerkbar machen und zu dauerhaften Beschwerden führen.

Aktuelle Definition des Trockenen Auges: Update

Die Definition variiert seit 2007, seitdem gilt die derzeitige Definition des Trockenen Auges als eine "multifaktorielle Erkrankung der Tränen und der Augenoberfläche, welche zur Sehverschlechterung, Dyscomfort, Tränenfilminstabilität führt und potentiell die Augenoberfläche schädigt. Charakteristisch zeigt sich eine Erhöhung der Osmolarität! Sowie eine Entzündung der Augenoberfläche. Die Therapie muss an dreierlei Ansatzpunkte angesetzt werden aufgrund multifaktorieller Ursachen. Tränenfilminstabilität, Tränenfilmhyperosmolarität und Entzündung der Augenoberfläche therapeutisch angesetzt werden! Diese Ansatzpunkte können auch ineinander verzahnt sein.


Quelle: M.Streich,Medizinischer Moderator im Augenforum